Raus mit der Sprache!

10695211_10203062269741935_1482565478_naLetztens fragte eine Mutter in einem Forum in dem ich lese, wann ihre 12 Monate alte Tochter denn endlich Mama sagen würde, sie würde soooooooo sehr darauf warten, ganz viele andere Kinder in dem Alter könnten das doch schon.

Ich sitze hinterm PC und denke betrübt, „Tja, in dem Alter dachte ich auch noch das es nicht mehr lange dauert“. Inzwischen sind weitere 8 Monate ins Land gezogen und außer einem wehleidigen Maaaaaaamaaaaaa wenn Martha sich richtig weh getan hat, hab ich noch nie Mama aus ihrem Mund gehört und auch sonst nur sehr wenig Wörter die man zuordnen kann. 6 um genau zu sein, und noch 3/4 wo wir uns nicht sicher sind ob sie das zufällig sagt oder absichtlich.

Ich versuche gelassen zu bleiben, sage mir immer wieder das jedes Kind sein eigenes Tempo hat, das sie dafür in anderen Bereichen viel weiter ist, aber die Zweifel nagen schon an mir, werden mit jedem Monat stärker. Wenn die Oma anruft fällt immer die Frage ob Martha schon was Neues spricht, und die Uroma ist mittlerweile der festen Überzeugung das das absolut Unnormal ist und Martha vermutlich nie sprechen wird. Beim ersten mal kann man noch drüber lachen aber irgendwann verunsichert es einen immer mehr.

Manchmal liege ich im Bett und mache mir Vorwürfe. Habe ich irgendwas falsch gemacht? Hab ich was verpasst?

Spricht man mit anderen darüber bekommt man immer den Tipp: „Du musst viel mit dem Kind sprechen“. Ach ne echt jetzt? Da wäre ich selbst nie drauf gekommen! Wir singen zusammen Kinderlieder, schauen Bilderbücher an und ich gebe mir die größte Mühe so viel wie möglich mit ihr zu sprechen und zu benennen. Ich weiß auch das sie uns versteht, aber auch, dass sie ihren eigenen Kopf hat und kein Kind ist das sich für Aufforderungen wie „Zeig mir mal xy“ oder „Sag mal xy“ interessiert. Sie ist ja auch kein Äffchen. Während ich sie frage wo die Katze im Buch ist, untersucht sie lieber warum der Buchrücken so absteht wenn das Buch aufgeschlagen ist.

Ich glaube manchmal forderen ich und andere auch zu viel. Man würde auch kein Kind das noch nicht laufen kann auf die Beine stellen und zusehen wie es hinfällt und sich verletzt. Etwas ähnliches sehe ich in Marthas Augen wenn ich sie frage „Sag mal Mama“…“Ich würde so gerne, aber ich kann es einfach noch nicht!“.

Es hat einfach noch nicht klick gemacht.

Aber mein Mädchen ist ja nicht dumm, sie hat in den letzten Wochen neue Kommunikationswege entdeckt die sie zu meinem Leidwesen („Lern doch lieber sprechen als dir sowas umständliches auszudenken“) immer mehr ausbaut. Angefangen hat es damit das sie uns an der Hand nimmt und in den Raum zieht in den sie möchte, mittlerweile führt sie auch direkt meine Hand zu den Sachen die sie möchte. Legt meine Hand auf den Milchdeckel damit ich ihr nachschenke, führt mich zur Tür und tippt mit meiner Hand an den Schlüssel damit ich sie aufmache oder legt meine Hand aufs Bilderbuch um die Klappen aufzumachen die sie nicht aufbekommt. Zuerst wusste ich nicht wie ich damit umgehen sollte, sollte ich das ignorieren damit sie  sich nicht „um sprechen drücken kann“ oder sollte ich darauf eingehen. Ich habe mich für letzteres entschieden. Denn sie zeigt uns damit, dass sie Kommunizieren möchte, das sie Spaß daran hat und das versuche ich sprachlich zu unterstützen in dem ich nochmal alles beschreibe, was wir tun. Irgendwann wird ihr das auch zu lästig sein und es wird klick machen.

Wahrscheinlich macht sie es so wie beim Laufen lernen, erst loslegen wenn sie es wirklich richtig kann und dann so richtig! Das ist übrigens jetzt schon unglaubliche 10 Monate her…man kann ja nicht bei allem den Turbo einlegen.

Und wenn nochmal jemand fragt, sage ich einfach das Einstein auch erst mit 3 Jahren anfing zu sprechen :)

15 thoughts on “Raus mit der Sprache!

  1. Gute Einstellung. Ich hab auch Freunde, die mich immer fragen: „Mensch, wann sprach L. denn eigentlich? Irgendwie spricht meine nicht“. Und dann scrollte ich alte Blogeinträge durch, weil ich mir gar nicht mehr so sicher war. Und ja, es kam zwar früh Mama & Papa, so mit 9 Monaten, das wars dann aber. Sie verstummte dann sehr lange. Sagte zwar mal Wörter wie Nein und Hallo, aber meist schwieg sie. Und mit 17 Monaten sagte ich mir noch: „Ach, ehe sie richtig spricht, wird es sicher noch ewig dauern“. Ich dachte echt, sie wird wohl erst mit 3 sprechen 😀 und dann ging alles Schlag auf Schlag. Sie wird nun bald 2 und spricht 3-4Wort-Sätze, was ich noch immer nicht fasse. Bis vor kurzen betete der Papa, sie möge endlich sprechen lernen, weil er die Zeichen von ihr nicht deuten konnte, dabei hatte sie ein ähnliches Vorgehen wie Martha 😀 Aber er kam damit nicht so klar. Jedes Kind, sein Tempo, seine ganz eigenen Prioritäten. Und ich fand es auch unglaublich toll & finde es zum Teil immer noch toll, wenn nur ich sie verstehe. :)

  2. Es ist doch wirklich furchtbar, was man (und vor allem die Kinder!) für einen Stress gemacht bekommt.. Ich finde du machst das alles genau richtig :)
    Und: mein Neffe fing auch „erst“ mit ca 3,5 Jahren richtig an zu sprechen (als er in den Kindergarten kam) und labert uns seitdem ein Schnitzel ans Ohr 😉
    Alles zu seiner Zeit!

  3. *tröst*
    Sie kann hören – also wird sie auch sprechen lernen. Oder sie lernt direkt schreiben *lach*
    Meine Mutter erzählt mir immer, dass ich nach meiner Cousine sprechen lernte – und die ist ein halbes Jahr jünger als ich.
    Ich wünsche dir für die nächste Zeit bei allen blöden Bemerkungen ein dickes Fell – und die Sache mit Einstein finde ich richtig gut.

  4. Mein kleiner Bruder hat auch erst mit 3 Jahren angefangen zu sprechen, dann aber direkt richtig in ganzen Sätzen (und der ist dir heute ne Quasselstrippe 😉 ), vorher hat er auf Sachen gezeigt und dabei gepfiffen 😉 mein Sohn hat, bis er in den kiga gekommen ist, ne art Geheimsprache entwickelt, die nur mein Mann, er und ich verstanden…oder würdest du wissen, dass ein „disli“ ein Löffel ist? Er hat ein Einser Abi 😉

  5. ich bin Logopädin und habe auch so ein Kind – es ist etwas peinlich:D
    bei ihr war es eine Zeit so, dass sie kaum etwas gehört hat. sie hatte auf beiden Seiten einen Paukenerguss, also Flüssigkeit im Mittelohr. das hat sich überhaupt nicht bemerkbar gemacht, sie hatte keine Schmerzen und keine Entzündung, es ist kaum aufgefallen – sie hat ein bisschen gehört, aber Sprache konnte sie kaum verstehen. irgendwann habe ich gemerkt, dass sie nie hört, von wo ich sie rufe – sie suchte mich, ich stand zwei Meter neben ihr, habe gerufen „hier bin ich“ und sie lief in die andere Richtung…
    manchmal hängt es also mit dem Hören zusammen – aber auch jetzt, sie hört eigentlich wieder, ist es noch nicht altersgemäß, sie spricht undeutlich und wenig…
    wenn alles abgeklärt ist und die Maus gesund ist – Mist, dann muss man sich einfach zurück lehnen und abwarten – ich verstehe, dass das nervt!

  6. Hallo, ich kenn das….. Meine grosse sprach mit 2 1/2 verständlich, der grosse Sohnemann sprach mit 2 sowas von schön und verständlich und schnell vor allem, und der kleine lies sich zeit bis er 3 war ….. wir verstanden ihn super, sei es jetzt das wir den „kauderwelsch“ zuordnen konnten oder eben über „zeichensprache“. und gerade diese zeichensprache finde ich so toll und wichtig ….. ist es doch auch so einen art familiensprache/Geheimsprache die nur wir verstehen. die grossen waren da sehr erfinderisch 😉 hilfreich ist so eine zeichensprache ja auch z. b. wenn mama mal keine stimme hat 😉 liebste grüsse dana

  7. Hallihallo,

    so wie Martha mit euch kommuniziert, hat es auch mein Neffe gemacht. Oft noch mit Geräuschen begleitet, aber sprechen und vor allem deutlich hat auf sich warten lassen. Später stellte sich heraus, dass er Polypen hatte und nur zu 20% hören konnte. Die sind mittlerweile entfernt und die Sprache ist explodiert.
    Dass soll nicht heißen, dass es unnormal ist und es einen medizinischen Grund geben muss. Es gibt ja tatsächlich auch Kinder, die monatelang kein Wort sagen und dann mit ganzen Sätzen um sich schmeißen, aber vielleicht behaltet ihr das mal im Hinterkopf, falls ihr das nicht schon längst habt. Lieber zu früh bemerken als zu spät.
    Mein Sohn ist übrigens 13 Monate alt und sagt hauptsächlich „da“ und beschränkt sich sonst auch aufs meckern und zeigen 😀

    Liebe Grüße

  8. Ich habe zwar keine eigenen Kinder, meine mich aber bei einem Aufpasskind zu erinnern, dass es da ähnlich lief. Ich glaube bei mir und meinem Bruder war es auch so, der eine lief sehr früh, sprach aber nicht, der andere plapperte ohne Ende und war motorisch noch nicht so fit. Immerhin weiß sie, wie sie sich euch mitteilen kann. Irgendwann werden ihr diese einfachen Gesten nicht mehr ausreichen, und dann läuft es bestimmt. :)

  9. Hallo,
    ich kann mit dir mitfühlen! Wenn man sich etwas so sehr wünscht beim Kind und es einfach nicht wird, dann macht das einen richtig fertig.

    ich denke, gute Ratschläge bringen Mütter nicht weiter, wenn es um die Entwicklung der Kinder geht. Denn: Es ist ja nicht die Entwicklung der Mütter, sondern die der Kinder. Und die machen gerade nun mal was sie wollen und wann sie es wollen. Da können wir letztlich nichts tun außer Geduld haben und den Kindern „ein gutes Vorbild“ sein. Ihr wisst, was ich meine: Soll das Kind beispielsweise aus dem Glas trinken lernen, dann mache ich das ganz bewusst immer wieder vor und kommentiere mein Handeln usw. Und muss warten, bis es „klick“ macht beim Kind, bis der Zeitpunkt gekommen ist, an dem das Kind es selbst für wichtig erachtet.
    Ich habe diese Sorgen wie du jetzt mit dem Sprechen bei Minilama mit der motorischen Entwicklung im ersten Jahr gehabt.
    Das kleine Lama ist bis knapp 1 Jahr nur gerobbt, also mit Vollkörperkontakt mit dem Boden. In der Krabbelgruppe war das krass , da sind sehr viele Fixe gewesen und die Mütter haben mich immer mitleidig angeschaut und mir Mut machen wollen, dass es schon noch wird… Irgendwann hat mich das kirre gemacht, ich bin fast ausgeflippt, dass es nicht voran geht. Und ich habe mir so gewünscht, dass das Kleine krabbelt und autonomer wird, dass wir richtig spielen können.
    Was soll ich sagen: Das Ganze hatte sich dann relativ zeitig in der Krippe gegeben. Minilama hat hier wohl den Anreiz gesehen, sich selbst fortzubewegen, um mit den anderen zu spielen. Die Zeit war da.
    In meiner Elternzeit, wie ich es mir so sehr gewünscht hatte, wurde das Krabbeln und Laufen nichts mehr. Gelernt hat Minilama es trotzdem und zwar top und schnell und super und so, dass es mich total mit Stolz erfüllt hat.
    Seit das kleine Lama läuft bin ich entspannter. Dieser Schritt, auf den ich meinen ganzen Fokus gerichtet hatte, hat mich viel gelehrt: Das Minilama macht das schon. Mit Riesenschritten geht es voran.

    Liebe Grüße,
    Lamasus

  10. Du Liebe,
    pass mal auf, ich schreibe jetzt einen Kinder-Ratgeber-Bestseller: JEDES KIND IST ANDERS. Fertig! 😉
    Versuch‘ dir keinen Stress zu machen, ich finde deine Kleine voll pfiffig, dass sie sich so einen Weg durch das Kommunikationschaos bahnt – ganz auf ihre eigene Weise. Die Mama finde ich genauso clever, dass sie so reagiert, mitspielt und weiterhin die Sprache in den Alltag einbaut. Besser geht’s doch nicht!
    Ich selbst habe ein sehr grobmotorisches Kind. Mit anderthalb konnte sie gerade mal ein Zwei-Teile-Puzzle zusammensetzen. Nicht, dass sie nicht wusste, wo was hinkommt, aber allein ineinander stecken hat einfach nicht geklappt. Dafür konnte sie mit zwei schon Rolle vorwärts und mit drei fahrradfahren – ohne Stützreder. Achja, Mama konnte sie mit anderthalb, aber es war eher ein Mamamamamamama. Die Kurzform ging erst später 😉 also wieso leicht, wenns auch schwerer geht :) Genießt euren ganz eigenen Weg!

  11. Liebe Svenja,
    VIelen Dank für deine Worte, du sprichst mir aus der Seele, nur mit dem Unterschied, dass hier bei meinem Herzbub mit knapp 24 noch kein Mama (bzw einmal und da war die Not sehr groß) sein Mund verlassen hat. Dafür sind aber alle Papa 😉
    Ok, ein paar Wörter kann er schon, aber man kann diese noch zählen. Aber er ist Meister der wortlosen Kommunikation und er versteht alles, wirklich alles (auch das, was wir eigentlich nicht wollen ;-))
    Daher machen wir uns keine Sorgen mehr, zumal wir sehen, was er alles schon grob- und frein-motorisch sowie körperlich kann, was andere in seinem Alter eben noch nicht können.
    Wir haben auch festgestellt, dass unser Sohn tatsächlich die Sprache für sich lernt, wenn er sitzt bzw. sich nicht bewegt. Nun ist aber seine Liebslingsbeschäftigung bewegen, laufen, hüpfen, etc. Wann soll er denn da sprechen lernen 😀
    Bis dahin werde ich alle Frage nach neuen Wörtern aus der Verwandtschaft ignorieren.
    Liebe Grüße
    Karin

  12. Ach Liebes.
    Kein Mensch ähnelt dem anderem. Weder die Großen, noch die Kleinen… und die ganz Kleinen schon mal gar nicht 😀

    Meine fing unheimlich früh an zu sprechen. Mit 5 Monaten sagte sie Mama und ab da ging es rasend voran. Mit 1,5Jahren sprach sie fast fließend Mehr-Wort-Sätze. Und heute mit fast drei drückt sie sich teilweise echt schon gewählt aus. Auch da werden wir teilweise schon gefragt, ob das denn Normal ist, oder ob man da mal was untersuchen sollte 😀 Lachhaft, oder?
    Ihr bester Kumpel ist genauso alt und fing erst vor einem halben Jahr an zu sprechen. Vorher gabs da rein gar nichts. Überhaupt kein Interesse am Reden. Er war dafür bei anderen Dingen wahnsinnig gut.
    Mein Bruder hat mit 7 Jahren erst Radfahren gelernt.
    Ich selbst bin mit 23 Jahren zum ersten Mal geflogen.

    So ist es einfach. Es gibt für alles den richtigen Zeitpunkt.
    Deine Kleine versteht dich ja offensichtlich, oder? Sie reagiert auf ihren Namen, etc. und macht sicher auch Laute. Also würde ich alles Unnormale erst mal ausschließen.
    Dein Mädchen ist eben ein Individuum. <3

    Mach dir keinen Kopf

  13. Liebe Svenja,
    Jede Woche lese ich hier und nun schreib ich auch mal was :)
    Sooo sehr hab ich mir gewünscht das Sofia endlich Mama sagt… Nun tut sie es…… den GANZEN Tag, ohne Unterbrechung, rund um die Uhr! Ich geb es zu: es macht mich wahnsinnig xD
    Sonst spricht sie zwar viel aber das meiste verstehen nur wir. Mach dir keine Gedanken, unsere Mäuse machen das schon.
    Alles liebe

  14. Warte einfach ab…so schnell werden die Mäuse zu waren Quasselstrippen und du sehnst dich nach den stilleren Momenten ^^
    Mein Sohn (2J 11M) begann um den zweiten Geburtstag damit zu sprechen. Und Woche für Woche wurde es mehr und deutlicher. Manchmal musste man noch deuten, aber es ging alles so schnell…Und jetzt spricht er richtige Sätze.
    Ich dachte auch immer, dass das schon eher losgeht, aber jeder ist ebend anders.
    Und nun kommen permanent die berühmten „Warum?“-Fragen…solange bis man einfach keine Antwort mehr hat und verzweifelt ^^
    Und „Das Grüffelokind“ spricht er komplett mit, und dabei möcht ich doch einfach nur vorlesen 😉

    Genauso, wie jedes Kind in einem unterschiedlichen Alter läuft, krabbelt, beim Zähne putzen ausspuckt usw….ist es auch mit dem Reden.

    Ich las mal irgendwo, dass ein Kind vllt einfach noch nichts zu sagen hat 😉
    Liebe Grüße

    Dori

  15. Mein Mann sprach auch erst nur einige Wörter und brauchte Jahre bis er richtig sprechen konnte. Und heute ist er Unfallchirurg – also weiter so und lasst euch nicht verrückt machen!

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