Raus mit der Sprache! Teil 2

11039356_10204218570288726_2054573512_nIch hatte letzten Herbst schon mal einen Artikel zum Sprechen lernen geschrieben und auch sonst schon öfters erzählt, dass Martha sich ein bisschen mehr Zeit mit dem Sprechen lässt als andere Kinder.

Für mich und alle die das gleiche „Problem“ haben, wollte ich ihre sprachliche Entwicklung genauer festhalten, weil ich es schade fand, das ich persönlich so wenig Erfahrungsberichte zum Thema „Late Talker“ gefunden habe.

Was ist ein „Late Talker“?

Als „Late Talker“ werden Kinder bezeichnet, die mit 2 Jahren weniger als 50 Wörter sprechen und noch keine Zwei-Wort-Sätze bilden. Diese Late Talker haben sonst keine Beeinträchtigungen wie Hörstörungen oder allgemeine Entwicklungsverzögerungen. Ca. 20% der Kinder sind Late Talker.*

Sprachentwicklung

U7 2 Jahre und 12 Tage alt (5 Wörter)

Vor der U7 hatte ich ja ehrlich gesagt ziemlich Schiss, und auch als ich dann auf einem Zettel Wörter ankreuzen sollte, die Martha spricht, wurde es nicht besser, denn ich konnte kein einziges der genannten ankreuzen. Die einzigen Wörter die sie bis dahin sinngemäß und regelmäßig benutzte waren: JA, NEIN, MAMA, TSCHÜß, MH LECKER. Geräusche hat sie auch nur „Muh“ nachgemacht.

Der Kinderarzt blieb aber zum Glück sehr gelassen, da sie ein hohes Sprachverständnis hat und auch so viel spricht, man versteht nur nichts. Er meinte sie hätte halt noch ihre eigene Sprache und die würde in den nächsten Monaten sicher verständlicher werden. Zur Sicherheit wurden wir noch zu einem HNO-Arzt überwiesen um Hörprobleme auszuschließen und mit 2 1/2 Jahren sollen wir nochmal zur Kontrolle kommen.

2 Jahre, 2 Monate und 5 Tage  (12 Wörter)

In den letzten Wochen ist viel passiert und wir bemerken immer mehr Fortschritte. Wie ich schon mal in einem anderen Post geschrieben habe, interessiert sie sich jetzt endlich auch für Bilder und will alles benannt haben. Gleichzeitig haben wir auch gemerkt, dass sie ziemlich nuschelt (wie der Papa) und wir deshalb lange brauchen bis wir sie verstehen.

Dazu gekommen sind die Wörter: HEIß, HASI (Hase), SESSIN (Prinzessin), KOMM/KOMM MIT („Komm mit“ ist damit auch der erste 2-Wort-Satz), TEDE (Teddy), MATA (Martha) und noch einige weitere bei denen wir uns aber noch nicht 100%ig sicher sind obs nur Zufall oder Absicht war. Außerdem macht sie jetzt auch „Mäh“ wenn sie ein Schaf sieht und versucht zu Grunzen bei einem Schwein ;).

Die 50-Wörter-Grenze ist zwar immer noch recht weit weg, aber wir merken das sich endlich was tut. Alle paar Tage ein neues Wort ist einfach ein riesen Fortschritt für uns.

Termin beim HNO-Arzt

Heute war dann auch unser HNO-Arzt-Termin. Zuerst wurde das Innenohr und das Mittelohr mit so einem Sensor untersucht, fragt mich nicht was da genau gemacht wurde. Martha hat dafür so einen Stöpsel ins Ohr bekommen und da kam wohl scheinbar ein Geräusch raus. Danach wurde über verschiedene im Raum verteilte Boxen Musik abgespielt und beobachtet ob sie auf die Musik reagiert. Abschließend hat der Arzt noch in die Ohren, die Nase und den Hals geschaut und uns anschließend bestätigt was wir eigentlich eh schon dachten: Sie hört perfekt. Er meinte wir haben eine 50:50 Chance, dass sie bis zum 3. Geburtstag aufgeholt hat, ansonsten müsste man mit Logopädie nachhelfen.

Wie können wir helfen?

Die -etwas deprimierende- Antwort auf die Frage: Viel vorlesen und mit dem Kind sprechen. Deprimierend deshalb, weil wir das seit schon immer machen, zumindest in einem natürlichen Rahmen. Ich muss zugeben, ich bin keine Mama die stundenlang auf ihr Kind einreden kann. Ich bewundere Mütter die das können, aber da ich vom Typ her schon eher still und nachdenklich bin, merke ich manchmal gar nicht, dass ich mehr mit Martha sprechen könnte. Trotzdem achte ich jetzt natürlich nochmal mehr darauf. Zum „Üben“ haben wir auch ein Memoryspiel zweckentfremdet. Es ist von byGraziela und die einfachen Grafiken sind einfach schön zu erkennen und zu unterscheiden. So üben wir spielerisch zum Beispiel Tiernamen oder Fahrzeuge. Außerdem haben wir nochmal -und dieses Mal erfolgreich- versucht unser Abendritual zu ändern. Bisher war es so, dass Martha im Bett absolute Ruhe und Dunkelheit brauchte um einzuschlafen, beim Vorlesen ist sie immer wieder aufgedreht und wollte wieder spielen. Jetzt endlich interessiert sie sich aber auch fürs Vorlesen und kommt dabei nicht mehr aus der Ruhe, so das es jetzt -endlich- Abends auch noch eine Gute-Nacht-Geschichte gibt.

Wie geht es uns damit?

Ein Wort: Scheiße. Mir tut Martha unglaublich leid, weil wir einfach ganz oft nicht verstehen was sie möchte, was wiederum unnötig zu Stress und Konflikten führt. Außerdem merke ich, dass wir sie oft unterschätzen und als „jünger“ wahrnehmen als sie wirklich ist. Sie versteht uns sehr gut und kapiert auch komplizierte Zusammenhänge, nur kann sie sich noch nicht ausdrücken. Wenn ich dann mitbekomme was andere Kinder in ihrem Alter sagen und wie sie sich mitteilen können, wird mir immer wieder klar wie weit Martha schon im Kopf ist und wie frustrierend es sein muss wenn man nicht verstanden wird.

Wo wir sie unterschätzen, wird sie von Fremden überschätzt. Dadurch, dass sie auch noch viel älter aussieht als sie ist, reagieren Außenstehende sehr irritiert wenn sie merken das Martha noch nicht spricht.

Ich persönlich habe mir oft Vorwürfe gemacht und habe manchmal das Gefühl irgendwas falsch gemacht zu haben oder verpasst zu haben. Auch wenn man das Kind nicht vergleichen will, unterbewusst tut man es doch.

Mittlerweile gelingt es mir aber etwas gelassener zu werden, auch weil ich merke, dass es aufwärts geht. Ich bin momentan ganz zuversichtlich, dass sie bis zu ihrem 3. Geburtstag aufgeholt hat :) Ich halte euch auf dem Laufenden wie es sich weiter entwickelt.

 

 

* Quelle: http://www.stimmhaft.de/therapiefelder/kinder/late-talker.html

8 thoughts on “Raus mit der Sprache! Teil 2

  1. Jedes Kind hat Stärken und Schwächen. Das ist auch total gut so, denn wir sind ja auch alle verschieden. Vielleicht sollten einfach mehr Leute die vermeintlichen Schwächen nennen, damit man sich auch mal über etwas positives beim eigenen Kind freut oder eben nicht immer einem verschönten Ideal nachrennt. Die kleinen Mäuse entwickeln sich alle in ihrer eigenen Geschwindigkeit, man kann sie fördern, aber nichts erzwingen. Der eine redet toll, aber läuft erst später, oder umgekehrt, der andere kann schon ganz früh Laufrad fahren, der andere will das gar nicht probieren, der eine macht schon Purzelbäume mit 2…
    Wir lieben unsere Kinder so wie sind und das tun sie auch mit uns. Weil wir ihre und sie unsere Familie sind

  2. Liebe Svenja,
    auch ich habe einen kleinen Sohn im Alter von Martha, der nur wenig und auch recht undeutlich spricht bzw. gesprochen hat.
    Eine Logopädin hat mir den Besuch beim Osteopathen empfohlen, da Peter eine schwere Geburt aufgrund seines hohen Gewichts hatte und was soll ich sagen? Seit der Behandlung macht er deutliche Fortschritte, so dass es sogar Aussenstehenden auffällt. Er hatte eine Blockade im rechten Brustkorb und sogar an der rechten Seite des Kehlkopfes, motorisch war er nie auffällig, sondern eher weit entwickelt.
    Uns wäre wirklich nicht in den Sinn gekommen, aufgrund der sprachlichen Entwicklung zum Osteopathen zu gehen und hinterher waren wir „geflasht“ 😉

    Ein Versuch wäre es wert-
    Euch alles Liebe,
    Anne

  3. Ist doch gut, dass ihr beim Arzt alles abgeklärt habt.
    Und – man kann auch zu viel auf ein Kind einreden. Dann stellt es irgendwann die Ohren auf Durchzug.
    Macht euch keine Vorwürfe – über kurz (hoffentlich) oder lang kommt der Tag, an dem du zu eurer Quasselstrippe sagst: Ach Martha, sei doch bitte mal still.
    Bis dahin – jedes Kind hat sein eigenes Tempo.

  4. Liebe Svenja,

    eigentlich bin ich eher der stille Lesertyp, aber heute mag ich mal was dazu schreiben.
    Ich war auch ein „late talker“ und hab erst mit 2,5 angefangen zu sprechen. Anfang der 90er hattte man dafür selbstredend noch keinen Namen :)

    Was ich eigentlich sagen will, meiner Mama ging es wir dir. Ich wollte sprechen und irgendwie ging es einfach nicht, das hat mich wohl als Kind auch sehr frustriert und meine Mama gleich mit. Und es lag sicher nicht daran, dass mit mir zu wenig gesprochen wurde, ich habe noch zwei Schwestern und die reden bis heute zu viel :)
    Der Kinderarzt sagte damals zu meiner Mama, „Sie werden sehen, wenn der Frühling kommt und die Vögel zwitschern, wird das Kind anfangen zu sprechen“.
    Und genau so kam es! Meine Mama meint immer, ich hab innerhalb so kurzer Zeit perfekt sprechen gelernt, dass es keinen Unterschied mehr zu den anderen Kindern gab. Im Gegenteil, mein Sprachvermögen war deutlich höher, als das gleichaltriger!

    Also nur Mut!!! Ihr schafft das! Martha hat ihr Tempo und wird euch schon noch die Ohren vollquasseln :)
    Alles liebe!

  5. Mach dir nicht so viele Sorgen.. Jedes Kind nimmt sich die Zeit die es braucht um etwas zu lernen und auch umzusetzen – Martha auch. Ich denke nicht, dass es ein richtiges oder falsches Erziehungsgeheimnis zur Sprachentwicklung gibt. Wir haben mit unserer Kleinen nichts anders gemacht (sie bekommt bis heute keine „Gute-Nacht-Geschichte“ – funktioniert bei uns noch immer nicht) als ihr und sie hat schon sehr früh sehr viel gesprochen. Dafür steckt sie mit fast 2,5 Jahren noch immer in der oralen Phase und man muss ständig alle Kleinteile im Haus wegräumen..
    Lass dich nicht von deiner Umwelt verunsichern und genieß einfach jede Entwicklung von Martha.. dieses ganze wann sollte ein Kind was können ist in der heutigen Zeit wirklich anstrengend. Als wir klein waren hat sich darüber niemand solche Gedanken gemacht und vor allem hat nicht jeder seine Meinung dazu kundgetan um die Mamas weiter zu verunsichern :)

  6. Hallo,
    es geht doch richtig bergauf. Die ersten Wörter sind die schwersten, dann wird es schon rasch weitergehen, zumal ja organisch nichts vorliegt.
    Wir hatten das Problem mit der Grobmotorik. Mit 11 Monaten ist Minilama immernoch nur gerobbt, kein Krabbeln, kein Vierfüßler oder Kniestand oder sonstwas. Nur platt auf dem Boden gelegen und die Hosen durchgescheuert. Und obgleich ich täglich auf Knien durchs Haus gegangen bin – keine Reaktion darauf. Ich war total geängstigt, weil ich befürchtet habe, dass es im Kindergarten total auffällt und nicht mit den anderen spielen kann. Der Kontakt mit den anderen Kindern hat Minilama dann den Motivationsschub gegeben, den es daheim nicht hatte. Mit 14 Monaten ist es dann wie verrückt. Das Kind ist nie gegangen, es rennt nur. Monatelange Sorgen haben sich in Luft aufgelöst.
    Sprechen war bei uns dann kein Problem; das Kleine kommt da ganz nach mir: Das Mäulchen steht nie still.
    Macht euch nicht zu viele Gedanken!
    Lamasus

  7. Huhu Svenja,
    Ich les ja schon lange bei dir und hab auch schon öfter eine Antwort getippt. Glaube aber nicht abgesendet..
    Also mein Großer hatte auch seine Probleme mit dem Sprechen. Allerdings hieß es immer, dass Wasser im Ohr war. Ihr habt jetzt alles abgeklärt. Bei unshat dann erst die Pädaudiologin wirklich weitergeholfen. Sie untersucht alles, was mit Sprache zu tun hat. Als auch soziale Interaktion und Verständnis und Umsetzung von gehörtem. Daraufhin ging die Logopädie weiter und ein sogenannter Psychomotorischer Sport kam dazu.
    Mein Kind sehe ich als sehr gesund und da fängt für mich das Problem an. Was bedeutet es für ein Kind so früh in diese ganze Therapieschiene zu laufen… schweres Thema. Und da hilft nur, dass ihr genau wisst, was ihr wollt.
    Liebe Grüße, Pauline

  8. Liebe Svenja,

    wir haben – obwohl Junge – eine extreme Quasselstrippe, hat auch nicht immer Vorteile und er fordert uns damit teilweise ganz schön heraus. Jedes Kind hat seine Stärken und Schwächen und dieser Ankreuzzettel beim Arzt hat mich grad ganz schön erschreckt. Zum Glück habt ihr nen coolen Kinderarzt.

    So viel Oskar auch spricht, er ist dafür motorisch nicht das gewandteste Kind. Wir sind froh, wenn er schaukeln, rutschen, klettern ohne Beulen übersteht. Auf einer Seilbahn kann er mit fast drei Jahren immer noch nicht alleine fahren, manche Kinder auf dem Spielplatz sind einen Kopf kleiner als er und sitzen da wie eine Eins drauf. Ich mache mir natürlich auch immer total die Gedanken, versuche es jetzt aber lockerer zu sehen und mir einzureden, dass er halt ein kleiner Körperklaus ist. Ich selber bin auch nicht die sportlichste Person und wahrscheinlich ist es schon hilfreich nach den Eltern zu gucken, um dann einen kleinen Aha-Effekt zu haben (in dem Zusammenhang finde ich es erschreckend, was von Kindern oft abverlangt wird).

    Ich könnte noch ewig herumschwadronieren bei dem Thema, aber ich denke das Beste, was wir als Eltern machen können ist uns zu sagen: Jeder kann und mag halt unterschiedliche Sachen besser und lieber.

    Viele Grüße, Aneli

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