Falsch abgebogen

Angeblich soll es ja helfen, wenn man aufschreibt was einem auf der Seele liegt und ich glaube ich bin an einem Punkt an dem ich das jetzt auch muss. Hier ist es gerade viel zu ruhig. Das hat viele Gründe, aber einen ganz großen.

Anfang des Jahres hatte ich ja mein Bachelorstudium abgeschlossen. Schon immer war mir klar, dass ich anschließend sofort den Master machen wollte, einfach weil ich gerne studiere, mein Wissensdurst noch nicht gestillt war und natürlich auch um mir beruflich weitere Türen zu öffnen. Ich habe mich auf mein Masterstudium gefreut, auch gerade weil ich mein Bachelorstudium so geliebt habe und ich das Gelernte gerne vertiefen wollte. Doch dann ging es los und schon nach ein paar Tagen merkte ich, dass sich meine Erwartungen nicht erfüllen. Der eigentlich aufbauende Masterstudiengang hat kaum mehr was mit meinem Bachelorstudium zu tun. Es gibt nur wenige speziell bekleidungstechnische Fächer und die die es gibt, wärmen auch nur nochmal das auf, was im Bachelor gelehrt wurde, ansonsten dreht sich alles um betriebswirtschaftliche Fächer und ein paar „Muss-Fächer“ die man angeblich können muss wenn man einen Master macht….

Wir sind nur eine recht kleine Gruppe Masterstudenten und trotzdem fällt die Kontaktaufnahme mit den anderen super schwer, jeder kocht so sein eigenes Süppchen und es gibt kaum mehr Interesse andere kennen zu lernen, was im Bachelor noch so einfach war.

Nach einer Woche Uni bekam ich Bauchweh, immer wenn ich da war, aber erst an Tag 3 fiel mir der Zusammenhang auf, als ich am Bahnhof ankam und sah, dass mein Zug ausfällt und ich wieder nach Hause kann, da war mein Bauchweh auf einen Schlag weg. Schon in der Grundschule hatte ich oft psychosomatische Bauchschmerzen, wenn es in der Schule Probleme gab.

In den darauffolgenden Wochen gab es immer wieder Gründe nicht in die Uni zu gehen, ich war eine Woche krank, die Bahn streikte oder auf der Strecke waren Bauarbeiten. Ich war froh um jede Ausrede und gleichzeitig hat es mich innerlich aufgefressen. Ich bin seit Wochen launisch und mies gelaunt, falle in alte Verhaltensmuster zurück die ich eigentlich schon längst abgelegt hatte.

Das Studium macht mich nicht glücklich und es bringt mich erstmal auch nicht weiter. Um zu dieser Erkenntnis zu kommen habe ich ein paar Wochen gebraucht. Ich würde gerne in einen anderen Master wechseln, aber leider ist das nicht möglich, da dann mein Bafög wegfallen würde. Alle sagen zu mir ich soll nur mal abwarten, das wird noch, aber ich kanns nicht mehr hören.

Ich bin enttäuscht von mir selbst, dass ich plötzlich so motivationslos bin, aber noch enttäuschter bin ich von diesem Studium. Ich könnte problemlos 3 Semester Lehrplan füllen mit allem was ich noch lernen möchte, mit Dingen die im Bachelor wirklich zu kurz gekommen sind und die mir wichtig erscheinen wenn man einen Masterabschluss anstrebt, der einen befähigen soll zu promovieren. Und irgendwie macht es mich auch wütend und verzweifelt, weil ich nicht weiß wie ich mir diese Dinge aneignen soll, die ich doch so wichtig finde.

Wie es weiter geht? Erstmal wie gehabt, aber auf Sparflamme. Familie und Arbeit haben jetzt eindeutig Vorrang und ob ich jetzt noch ein Semester länger für den Master brauche oder nicht interessiert eh keinen. Aber ich wünsche mir mich etwas von dieser Last befreien zu können, die mir jetzt schon seit Wochen meine Laune vermiest und mir den Alltag erschwert. Vielleicht hilft dieser Beitrag ja schon etwas.

Der nächste Post wird wieder fröhlicher, versprochen!

P.S. Wer nen blöden Kommentar schreiben will darf ihn gerne für sich behalten.

10 thoughts on “Falsch abgebogen

  1. Ach was, falsch abgebogen. Du fährst nur einfach zweimal durch den Kreisverkehr und dann geht´s weiter. :)
    Das stelle ich mir sehr frustrierend vor, wenn äussere Umstände einen ausbremsen und man keinen Einfluss darauf hat.

    Und ich hoffe, dass du für dich einen Weg finden wirst. Und wenn es nur ein Perspektivwechsel ist, durch den du den ungeliebten Master einfach als Schlüssel zur Promotion siehst und nicht mehr als Freude- und Wissenbringendes Studium.

    Es geht weiter, irgendwie.

    Liebe Grüße!

  2. Oh liebe Svenja, ich kann dich so gut verstehen. Bei mir fing es allerdings erst im zweiten Semester an. Mittlerweile bin ich im vierten und es steht nur noch die Masterarbeit und eine Prüfung an, aber seit einem Jahr ist es für mich nur noch eine Qual und eine endlos schwere Last – vorallem Emil für etwas zurückzulassen, was mich nicht 100% erfüllt ist das Schlimmste. Ich kann dir als Leidensgenossin nur viel, viel Kraft wünschen. Zurückblickend hätte ich lieber abgebrochen, als diesen Weg zu gehen – aber das ist natürlich ganz persönlich.
    Alles Liebe für dich und deine Herzen.
    Mathilda

  3. Meine Liebe… ein dicker Knuddler. Ich kenne das. Ich bin für mein Medienstudium damals über 500km von zu Hause weg… und wollte nach einem Semester hin schmeißen. Ich kam einfach nicht mit den Leuten und ihren Einstellungen zu Recht. Konnte ich zu hause sein wie ich wollte, habe ich mich dort kaum getraut ein Wort zu sagen.. einfach weil ich sofort schief angeguckt wurde wegen meiner „Offenheit“. Dort redete man eben nur übers Wetter. :/ Ich habe das Studium trotzdem durchgezogen.. ob es jetzt das Richtige war, weiß ich nicht. Wenn du dir aber so sicher bist, dann ist das doch eigentlich eine gute Sache. Du findest sicher Deinen Weg, egal wie er aussehen mag! :*

  4. Oh je, die Gedanken hatte ich auch schon…
    Obwohl ich meinen Bachelor (Soziale Arbeit) geliebt habe und immer wusste, dass ich einen Master machen wollte, hatte ich nach dem Ende erstmal keine Lust auf Weiter-Studieren. Ich legte ein Jahr Pause ein und bewarb mich danach für sehr viele Master in NRW – meine 1. Wahl in Essen ist es dann auch geworden.
    Die Euphorie war anfangs riesig: Endlich wieder studieren, endlich den Lieblingsbereich vertiefen und endlich mal raus aus dem Brei in dem ich „meine“ Soziale Arbeit sehe.
    Irgendwann ist die Euphorie verfolgen und auf einer meiner vielen Fahren nach Essen ist mir klar geworden: Der Master bringt mich wahrscheinlich nicht dahin, wo ich hin will. Aber es gibt auch keine anderen Master, die da helfen würden.
    Ab Sommer muss ich „nur noch“ ein Praktikum machen und die Masterarbeit schreiben – dann bin ich schon wieder fertig.
    Ich wüberlege, ob ich mich dann parallel dazu für ein Zweitstudium bewerbe, also einen anderen Bachelor, der bestenfalls berufsbgleitend angelegt ist und mich eher an das Ziel bringt.

  5. Liebe Svenja,
    Ich kann dich so gut verstehen, weil ich in derselben Situation war: das Fach an sich fand ich an sich immer toll, aber die Studieninhalte, die Kommilitonen und die Profs fand ich schrecklich. Wechseln ging wegen Bafög leider nicht mehr, also hab ich es durchgezogen und habe jetzt seit Wochen Kopf- und Bauchschmerzen und eine richtihe physische „Last“ auf meinen Schultern, da die Abschlussprüfung ansteht.
    Mir hat man gesagt, dass es auch beim Studiengangwechsel fürs Bafög Härtefälle gibt, bei denen individuell entschieden wird, nachdem die eigentliche Frist vorbei ist. Für mich war das leider schon zu spät, aber vielleicht ist es für dich eine Option. Zumal dein Master ja im Prinzip schon ein neues Studium ist, in dem du dich noch in der „Orientierungsphase“ befindest.

    Egal, welche Entscheidung du triffst, ich hoffe, du wirst glücklich damit :)
    Viele liebe Grüße ♡

  6. Hast du denn schon mal beim BAföG amt nachgefragt? Studienberatung zur Finanzierung angesprochen? Vllt gibt es ja doch noch die Möglichkeit den master zu wechseln, ohne große finanzielle Einbußen zumal du ja auch ein kind zu betreuen hast, da sind die BAföGBeamten auch mal kulant. Im schlimmst fall wirst du nicht den kompletten master gefördert, aber das kann man dann sehen und vllt anderweitig auffangen…afaik wird der master vom BAföG amt extra, also ab vom Bachelor angerechnet, beim Bachelor kannst du bis zum 3ten semester mit grund wechseln, vllt ist das im master auch der fall? Dann hiesse das aber auch alsbald das jetzige aufgeben.
    Wenn dein studium dich krank macht, es dir nicht gefällt, dann macht es doch eh keinen sinn?. Je länger du dich rumquälst desto schlimmer wird es, andere leute können nicht in deiner psyche leben.

  7. Meine Liebe ich fühle mit dir. Es ist gut und wichtig, dass du wahrnimmst wie es dir geht und das nicht einfach wegignorierst. Und ja es kann sein, dass es wieder besser wird, kann aber auch sein, dass es dir wirklich einfach nicht gefällt. Ganz egal was davon der Fall ist- es ist ok und du musst feststellen was dir gut tut. Ich habe meine Abitur nachgeholt um zu studieren und nach zwei Semestern eine Depression bekommen und stand nachdme ich sie überwunden hatte vor der Tatsache dass ich nicht mehr wietermachen kann und will. Und ich hatte hart dafür gekämpft dorthin zu kommen. Es war sher schwer mir einzugestehen, dass ich das Studium nun beende. Und auch heute tut es mir manchmal noch weh. Und doch bin ich sher sher froh so gehandelt zu haben. Sorge für dich ♥ Liebe Grüße Eva

  8. Aj, das kann ich super verstehen. Ich hatte mir unter meinem BA auch was anderes vorgestellt, aber bis ich wirklich geschnallt habe, dass mich das alles nur langweilt und für die Praxis nix bringt, war ich mittendrin. Und ich bin da zu stur, um woanders neu anzufangen, deshalb habe ich mich durchgebissen und bin nun, in dem Beruf wo ich bin, angekommen. Tatsächlich ist es jetzt genau so, wie ich es mir immer erträumt habe. Allerdings ist das nur mein Weg, und dass du ganz andere Prioritäten hast, ist ja wohl klar. Schade, dass du nicht in einen anderen Master wechseln kannst! Geht das auch nicht im Fernstudium oder sowas?

  9. Nen ganz dicken fetten Drücker für dich. Das was kommen mag, kann nur besser werden- bis dahin schüttel dich und lass dich umgeben/ hol dir Kraft von dem wichtigsten auf dieser Welt, deiner Familie! Danke für deine Ehrlichkeit
    Ulrike

  10. Hallo,
    erstmal natürlich auch von mir : fühl dich unbekannterweise in Gedanken gedrückt. Zu deinem Problem: Mein Freund stand vor ein paar Monaten vor genau demselben Problem: Er hatte ein Masterfach gewählt, von dem er erst im Nachhinein merkte, dass es nicht zu ihm passt. Vom Bafög – Amt kam dann auch gleich die Info: „Nein Herr Gänseblümchen (so heißt er natürlich nicht 😉 ), da können wir sie dann nicht weiterfördern.“
    Nach viel Eigenrecherche (wie bei euch, können wir uns das Studium ohne sein Bafög nicht leisten), haben wir dann herausgefunden, dass er eben doch weitergefördert werden kann, wenn er gleich ins zweite Fachsemester eingestuft wird. Die Hürde war, dass er für seinen Wechsel sogar von Fachbereich zu Fachbereich wechseln musste. Nach etwas hin und her zwischen beiden Fachbereichsleitern und dem hin und wieder eingestreuten Hinweis, dass ein Studium mit Kind ohne Bafög nicht machbar ist, hat das dann geklappt. Zwar nicht besonders würdevoll, aber er studiert jetzt das, was er möchte und was ihn auch wirklich weiterbringt.
    Wahrscheinlich hast du diese Info eh schon und ich hoffe ich habe jetzt nicht noch Öl ins Feuer geschüttet, aber ich musste das einfach schreiben, um sicherzugehen, dass die Info nicht an dir vorbeigegangen ist. Wir mussten nämlich ziemlich lange danach suchen…
    Viel Kraft erstmal und Liebe Grüße,
    Rieke

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