Raus mit der Sprache! Teil 3

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Teil 1 (September 14) gibts hier: http://vonrosagrauenwolken.de/blog/2014/09/09/raus-mit-der-sprache/

und Teil 2 (März 15) hier: http://vonrosagrauenwolken.de/blog/2015/03/09/raus-mit-der-sprache-teil-2/

Schon lange wollte ich mal berichten wie es jetzt bei unserem Late Talker aussieht, aber mir fehlt momentan einfach die Zeit zum bloggen. Gestern war dann wieder so ein Ereignis wo ich dachte: „Jetzt muss ich den Blogbeitrag schreiben, damit andere Eltern in der gleichen Situation wissen, das sie nicht alleine sind.“

Wir waren eigentlich nur im dm kaufen und dort gibts ja immer diese Schaukelpferde. Jedenfalls waren da schon 2 andere Kinder am spielen als wir ankamen und aus dem Gespräch der Mütter war zu hören, dass sie auch 2,5 Jahre sind, wie Martha. Beide konnten schon sehr gut sprechen, das Mädchen sogar annähernd perfekt in meinen Ohren, bis auf kleine übliche Aussprachefehler, aber total fließend und mit riesigem Wortschatz.Zugegeben war das sicherlich die andere Seite des Extrems, aber trotzdem hat es mich mitgenommen.

Wie siehts bei uns aus?

2 Jahre, 8 Monate und 4 Tage (ca. 70 Wörter)

Wer sich gerade Teil 2 angesehen hat, sieht schon, dass sich doch einiges getan hat, damals waren es 12 Wörter. Mit genau 2 1/2 konnte sie bei der Kontrolluntersuchung beim KIA ziemlich genau 50 Wörter, danach stagnierte es wieder etwas und gerade kommen wieder mehr dazu. Außerdem spricht sie auch 2-,3-, 4- und 5-Wort-Sätze (wenn auch sehr kryptische Sätze: „Papa nein, Mama Baby Pusch“ – „Nein, Papa darf nicht die Windel (baby) wechseln, Mama muss den Stinker (pusch (=pups)) weg machen“ . Der KIA war aber erstmal zufrieden, sie hängt zwar immer noch hinterher, aber es passiert immerhin was. Dazu kommt aber, wie letztes mal schon beschrieben, dass sie sehr undeutlich spricht und ohne unsere Hilfe vieles von Fremden sicher nicht verstanden wird. Sie verschluckt Silben („ot“ statt „brot“) und überträgt Worte die sie schon kann auf ähnlich klingende („Has“ für „Haus“ und „Maus“). Wenn wir das nicht schon untersucht hätten, würde ich sagen sie hört schlecht. Ihr passiver Wortschatz hingegen ist riesig, sie versteht alles, zeigt in Büchern auf alles was man sie fragt und ist auch sonst vollkommen normal entwickelt.

Allerdings merke ich immer mehr wie sehr sie darunter leidet sich nicht richtig mitteilen zu können. Sie hat heftige Wutanfälle manchmal und ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch daran liegt.

Ich bin eigentlich sehr glücklich das überhaupt mal was passiert aber manchmal erwischt es mich doch, dass die böse Vergleichsfalle zuschlägt, wie gestern in der Drogerie. Es macht mich traurig, dass ich mich nicht so mit Martha unterhalten kann wie diese Mutter, das Martha ihre Gedanken nicht so ausdrücken kann wie das andere Kind und ich wünsche mir einfach das endlich dieser große Klick kommt von dem andere Mütter schon vor einem Jahr erzählt haben, dieser Punkt an dem die Kinder plötzlich jeden Tag viele neue Wörter lernen.

Und ganz ehrlich – und hier schreibt der gerade etwas verzweifelte Teil von mir- es MÜSSTE doch endlich mal was passieren. Martha liebt Sprache, Bücher, Musik. Wir lesen allein Abends unzählige Bilderbücher, sie singt ihren Kuscheltieren in Babysprache Lieder vor und und und. Verdammt wann macht es endlich klick. :(

 

Jaja, jedes Kind hat sein eigenes Tempo und Gras wächst nicht schneller wenn man dran zieht…aber an manchen Tagen macht es mich einfach fertig.

15 thoughts on “Raus mit der Sprache! Teil 3

  1. Liebe Svenja!
    Ich freue mich so, endlich mal wieder von dir zu lesen.
    Martha ist vielleicht etwas langsam im Reden, hat aber dafür sicher Qualitäten, die andere Kinder noch nicht haben.
    (Johann konnte vor dem sitzen stehen, was mich auch echt beunruhigt hat, da gab es böse Stürze ungebremst auf den Hinterkopf).

    Ich verstehe deine Frustration, dass du traurig bist, dich noch nicht mit ihr unterhalten zu können. Bei uns hat es auf einmal „klick“ gemacht und das ging so schnell mit den neuen Worten, innerhalb von einer Woche konnte Johann sich auf einmal gut ausdrücken.
    Und wenn Martha schon so viele Wörter kennt, wird es ihr dann super einfach fallen.

    Mir hat mal eine Mama gesagt „Sie werden nicht in die Grundschule krabbeln und bis dahin können sie meist auch reden.“ Da ist echt was wahres dran.

    Natürlich vergleicht man seine Kinder immer unterbewußt – aber spätestens in einem Jahr weißt du gar nicht mehr, dass das so lange gedauert hat.

  2. Ich kann dich gut verstehen!
    Manchmal möchte man die Blockade mit beiden Fäusten einrammen, aber dass kann man einfach nicht…
    Es fällt schwer, das Tempo der Kleinen zu verstehen, gerade wenn es die Kinder selbst am meisten „beschränkt“ eher beeinflusst.
    Martha macht das super und ihr seid ihr die beste Unterstützung der Welt!
    Alles liebe!

  3. Darf ich fragen, wo ihr das mit dem Hören überprüfen lassen habt? Aus meiner Erfahrung als Förderschullehrerin für Hörgeschädigte weiß ich, dass „normale“ HNO-Ärzte leider viel zu oft etwas übersehen.
    Ich empfehle daher immer einen Besuch bei einem Pädaudiologen. Die sind meistens besser ausgebildet und Experten für den Bereich Hörschädigung bei (kleinen) Kindern.

    Liebe Grüße,
    Anne :-)

    • Hallo!
      Ich lese ja nach wie vor sehr gernr bei dir. Mit meinem Großen hatten wir eine ähnliche Erfahrung. Er verstand uns gut und konnte aber nicht so. In der Kita hieß es erst, er wäre eben mehr der Beobachter. Erst mit 4 Jahren kamen wir zur Pädaudiologin und parallel zu einem guten HNO. Bei beiden hieß es schnell OP. Polypen, Rachenmandel, Trommelfellschnitt. Von wegen Beobachter. Jetzt ist er fast sechs, hat einen riesigen Wortschatz, erklärt uns die Welt. Dank Logopädin auch seit einem halben Jahr auch ohne Probleme verständlich.
      Eigentlich wollte ich dir nur viel Kraft wünschen. Der Stand so ist schon anstrengend.
      Liebe Grüße, Pauline

  4. Ich habe bei Dir zum ersten Mal überhaupt vom „Befund“ late talker gehört oder gelesen und muss zugeben, dass ich jetzt doch ein klein wenig mehr beunruhigt bin, als ich das in meinem Instagram-Kommentar gerade angedeutet hab.
    Die bezaubernde Fini glänzt auch nur mit ein paar wenig erkennbaren Worten, Mama, Papa, Oumi und Oupi, Miau und Nane (Banane). Wobei „Geräusche“ viel häufiger vorkommen. Ich erkenne das Auto „düdü“ oder, ob sie Musik hören will „didi“, ob sie „Shaun das Schaf“ sehen will („meh!“), ob sie Hunger hat „NamNam“ oder Durst (hier ein schönes Schlürfgeräusch vorstellen), Schweinegrunzen… – aber Du siehst sicher, das sind auch nur Begriffe, die eigentlich nur wir verstehen können. Bisher hatten wir noch nie die Situation, dass sie sich mit anderen Kindern nicht verständigen konnte, aber bei 21 Monaten und der gerade stattfindenden Krippeneingewöhnung ist das eigentlich absehbar. Vielleicht kommt es in Kürze zur Sprachexplosion, auf die wir schon seit etwa 5 Monaten warten. Eigentlich täglich haben wir das Gefühl, dass sie uns was nachplappert. „Bo“ bedeutet Brot und „Popo“ kommt auch schon (wenn wir das vorsagen). Aber wirklich befriedigend finde ich das nicht.
    Ich verstehe absolut, dass Du Dir Sorgen machst und unter der Situation leidest. Und es beruhigt mich (wie Dich sicher auch) ein Stück weit, dass wir damit nicht allein sind. Aber dass Du Dich sehr schnell auch verunsichern lässt von anderen Müttern ist absolut verständlich, ebenso, wie zeitweise Verzweiflung weil man meinen sollte, dass Vorlesen und Reden eigentlich reichen müsste.

    Jetzt fehlen mir leider auch die Worte, um es irgendwie besser zu machen. Wie ironisch. Fühl Dich einfach gedrückt, unbekannterweise, von einer ebenfalls um Worte ringenden Mutter <3

  5. Liebe Swenja,

    habt ihr es schonmal mit der Behandlung durch einen klassischen Homöopathen versucht? Ich denke, dass dies eventuell helfen könnte…

    Liebe Grüße :-)

  6. Ich kenne das Gefühl auch- meine Tochter ist jetzt 3 1/2 und spricht fast gar nicht. Sie bekommt Frühförderung und Logopädie, wir waren beim Pädaudiologen. Jetzt geht es zum Neurologen und Kinderpsychologen. Manchmal bin ich auch am Verzweifeln, und manchmal fast am Weinen, wenn Gleichaltrige oder Jüngere fließend reden…
    LG

  7. Huhu,

    ich geb zu, Teil 1 und 2 habe ich jetzt nicht gelesen, daher weiß ich nicht, ob ihr das schon probiert habt.
    Mir kamen Babyzeichen in den Sinn, diese Baby-Gebärdensprachen.
    Vielleicht wäre das was für sie?
    Ich selbst habe das bei meinen 3 Kids nicht gemacht.
    Ist nur so ne Idee.

    Lg
    Salo

  8. Liebe Svenja,

    ich habe als Ergotherapeutin lange mit Kindern gearbeitet, weshalb mich Dein Thema beschäftigt hat. Ich würde unbedingt mit dem Kinderarzt besprechen, ob nicht doch eine Überweisung zur Logopädie sinnvoll wäre. Ja, es wird heutzutage zu viel therapiert (schön nachzulesen in der aktuellen „Nido“), der Meinung bin ich trotz meiner beruflichen Tätigkeit auch. Andererseits halte ich eine Behandlung trotzdem für sinnvoll, sobald ein Leidensdruck bei Kind oder Eltern vorhanden ist. Das Lieblingsargument der Kinderärzte „das wächst sich aus“ stimmt sicherlich manchmal, manchmal aber auch nicht. Nämlich dann, wenn z.B. eine auditive Wahrnehmungsstörung die Ursache der Sprachverzögerung ist (die übrigens von normalen HNO-Ärzten selten erkannt wird, da die eher aufs Organische spezialisiert sind). Eine GUTE Logopädin wird Euch ehrlich sagen ob eine Behandlung Sinn macht oder nicht. Was leider oft auch falsch dargestellt wird ist, dass eine GUTE Therapeutin die Behandlung so kurz wie möglich halten wird und mindestens ein Drittel der Behandlungszeit Elternarbeit sein wird (d.h. Ihr kriegt z.B. gute Tipps und Spielideen für zuhause mit, bekommt „Hausaufgaben“ auf o.ä.). Gerade beim Thema Sprachförderung gilt oft die Devise „je früher desto besser“. Man kann ja auch erstmal nur für 2-3 Termine zur Diagnostik hingehen, vielleicht zeigt sich ja wirklich, dass Martha eine klassische „Late Talkerin“ ist und viel Geduld bei ihr ausreicht.
    Oje, das ist nun ein ganzer Roman geworden…

    Viel Glück, Ihr schafft das!!!

  9. Liebe Svenja,
    ich folge dir nun schon seiddem wir beide Schwanger waren mit unseren Mäusen. Und icg folge dir so gerne. Noah wird jetzt im November 3 Jahre, wahnsinn 3 schon. Nun zu deinen Ängsten, mach dir da bitte keinen Stress keinen Druckoder graue Haare. Es kommt alles, wenn DAS KIND soweit ist. E s ist genau wie beim “ trocken“ werden. Solange das Kind sich nicht bereit fühlt, wird es das auch nicht umsetzen. Aber das ist auch OK. Ich habemittlerweile Berufsbedingt auch schon mit vielen jüngeren Kindern zu tun( Erzieherin Kita) und da sieht man auch ganz deutlich die Entwicklungsspanne. Auch wenn deine Tochter, für dich, noch nicht so spricht wie andere, hat sie aber schon Ausdauer und Konzentration sich auf Dinge einzulassen, wie ein Buch anschauen, Musik hören oder oder oder. Das haben dafür andere in diesem Alter noch nicht.
    Also sei entspannt, genieße das was passiert, denn da tut sich indiesem Alter soviel und bald wirst du dir wünschen, manchmal das kleine Mädchen zurück zu haben die auch mal leise war 😉
    Allerliebste Grüße Steffi

  10. Ich war selber ein „Late-Talker“. Oma und Opa hießen bei mir ewig „Ome und Oge“ Stuhl hieß „Geu“ – warum auch immer, verstanden hat mich wohl auch nur meine Mama. Inzwischen bin ich 23 und hab keine Probleme mehr und einen deutlich größeren Wortschatz wie viele andere. Irgendwann kommt der Klick =)

  11. Zum einen, auf keinen Fall mit anderen vergleichen. Jedes Kind ist einzigartig und ja, jedes Kind hat sein eigenes Tempo…. vielleicht rennt Martha wie ein Wiesel oder ist Weltmeister im Verstecken oder kann viel schönere Bilder malen… alles ist relativ – versprochen!
    Wir haben damals (meiner ist stolze 23 Jahre inzwischen) die Topfzeit als Sprechzeit genutzt… ich habe aus Katalogen unzählige Dinge des täglichen Lebens… vom Spielzeug über Küchensachen bis hin zu Möbeln etc. auf kleine Papierquadrate geklebt und dann haben wir immer ein paar (so etwa 10-15) geübt…nachgesprochen und dann in Sätze verbaut (das hab ich gemacht) und wenn er dann wieder flott unterwegs war, dann haben wir die Gegenstände in der Wohnung gesucht… da war dann auch gleich der reelle Bezug da.
    Liebe Grüße Jacky und nicht verzweifeln…. bitte – Geduld!

  12. Hallo,

    schön nochmal von dir zu lesen. Und schön, dass es ja vorwärts zu gehen scheint mit dem Reden, wenn auch etwas langsamer. Ich tippe drauf, dass sie in der Kita demnächst schnell nachholen wird. Das war bei Minilama mit dem Laufenlernen so. Daheim und in der Krabbelgruppe und auch bei den Freunden hat es ihm gereicht, zu robben. Kaum eine Woche in der Kita ging es zügig voran mit dem Laufenlernenwollen. Andere Kinder und ein neues Umfeld haben hier bewirkt, was die Mama nicht konnte. Ist vielleicht was anderes wie das Sprechenlernen, aber ich denke, darauf kann man ruhig hoffen.

    Liebe Grüße,
    Lamasus

  13. Hallo,
    villeicht bereuigt es dich etwas wen ich dir davon erzähle das ich einen Mann kenne der als Kind bis zu seinen 3 Jahr KEIN wort gesprochen hat er hatt immer auf alles gezeigt was er wollte usw. Heute hört man ihm das nicht an.

  14. Hi du (=
    ich lese schon lang bei dir und immer gern. <3
    Wir haben auch so eine Late Talkerin – jetzt 2 Jahre und 4 Monate alt. Viele Worte sind eigentlich keine: BlauBla = Messer oder Löffel, Gauga = Gabel, Kauka = Schaukeln und auch wir erleben die Frustration vom Kind hier immer wieder. Sie will dass wir sie verstehen!
    Es tut aber sehr gut zu lesen, dass wir nicht die Einzigen sind.
    Danke für deinen ehrlichen Bericht <3 Ich freue mich auf weitere.
    Herzliche Grüße,
    Melly

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