Raus mit der Sprache! Teil 5

12782218_10206235369507446_1151406956_nTeil 1 (September 14) gibts hier: http://vonrosagrauenwolken.de/blog/2014/09/09/raus-mit-der-sprache/

Teil 2 (März 15) hier: http://vonrosagrauenwolken.de/blog/2015/03/09/raus-mit-der-sprache-teil-2/

Teil 3 (September 15) hier: http://vonrosagrauenwolken.de/blog/2015/09/08/raus-mit-der-sprache-teil-3/

Teil 4 (Januar 2016) hier: http://vonrosagrauenwolken.de/blog/2016/01/10/raus-mit-der-sprache-teil-4/

 

Ich bin euch nach dem letzten Post ja noch so einige Auflösungen schuldig und wenn ich ehrlich bin glaube ich, dass hier wird eine Never-Ending-Story.

Martha ist jetzt

3 Jahre und (fast) 2 Monate

Die U7a verlief eigentlich ganz gut, Martha ist altersgerecht entwickelt bis auf die Sprache. Der Arzt wollte das jetzt auch nicht mehr unbehandelt lassen und gab uns eine Überweisung zur Frühförderung oder Logopädie mit.

Zur Frühförderung aus dem Grund, weil er sich nicht sicher war wie gut Martha bei der Logopädie schon mitmachen würde (ein berechtigter Einwand wie sich später raus stellte). Allerdings war bei der Frühförderung eine Wartezeit von 6 Monaten und das war ihm viel zu lang, also doch Logopädie.

Bei der Logopädin

Wir haben ziemlich schnell einen Termin bei einer sehr netten Logopädin bekommen, zu der wir nun einmal die Woche für eine 3/4 Stunde gehen. Bisher waren wir 4 Mal da und Martha hat jedes Mal einen riesen Spaß.

Beim ersten Treffen habe ich von Martha erzählt, sie durfte Malen und Spielen und später wurde ihr noch in den Mund geschaut. Beim zweiten Mal haben wir eine Diagnostik versucht. Zuerst wurden Martha Bilder gezeigt die sie benennen sollte, danach kamen Bilder mit 3 verschiedenen Gegenständen die Ähnlich klingen (z.B. Nase, Hase, Vase) und Martha musste auf das gefragte Bild zeigen. Wie erwartet ist ihr Sprachverständnis altersgemäß aber die Wortschatz unterdurchschnittlich. Zuhause musste ich dann noch so einen Fragebogen ausfüllen mit Wörtern und Sätzen wo man ankreuzen muss was das Kind kann. Der Fragebogen war für Kinder im Alter von 24 Monaten, aber halt am nächsten an Marthas Entwicklungsstand dran.

Vom Wortschatz her (der jetzt bei rund 180 Wörtern liegt) ist sie ca. ein halbes Jahr hinterm Durchschnitt, was gar nicht mal so schlecht ist. Das eigentliche Problem ist ihre schlechte Aussprache, dass sie viele Laute noch gar nicht kann oder in Verbindung mit anderen Lauten nicht, sowie ihre fehlende Grammatik. Sie nutzt wenig Verben (was beim Sprechen lernen zwar am Anfang noch normal ist, aber sich langsam bessern sollte) und bildet keine Mehrzahl, Vergangenheitsformen usw.

Das Problem wird noch verstärkt weil sie nicht nachspricht, also mit einem „Sag mal XY“ braucht man ihr gar nicht zu kommen, dann blockt sie total. Nur wird so leider viel in der klassischen Logopädie gearbeitet, vor allem beim Üben von Lauten.

Das erste Ziel ist jetzt erstmal, dass Martha anfängt zu imitieren, zu Beginn Geräusche, wie das Tut tut und schschsch eines Zuges beim Eisenbahn spielen, das hat sogar schon recht gut geklappt. Wir sollen das auch üben, indem wir uns bei einem Spiel mit Martha 2 Wörter aussuchen, die wir möglichst oft ins Spiel einbauen, wie das „Auf“ und „Zu“ einer Bahnschranke usw. bis sie es nachspricht.

Ihr lest, es ist sehr langatmig und auch eine Logopädin kann nicht zaubern, vermutlich wird uns die Logopädin auch noch bis ins Schulalter begleiten, weil Kinder wie Martha wohl auch dauerhaft in gewissen Bereichen des Spracherwerbs Schwierigkeiten haben.

Wie geht’s uns damit?

Aber ich muss sagen, ich fühle mich bei ihr sehr gut aufgehoben. Sie hat selbst eine ältere Tochter, die entwicklungsverzögert war, wodurch ich mich sehr verstanden fühle. Sie meint es wäre wohl auch nicht viel anders wenn Martha schon früher in die Kita gekommen wäre, der Wortschatz wäre zwar vermutlich etwas größer, aber die Aussprache und die Grammatik würde das kaum beeinflussen bei Kindern wie ihr.

Ich bin froh, dass wir jetzt in Behandlung sind, aber es ist immer noch komisch. Zu hören das sie „entwicklungsverzögert“ ist, tut erstmal ganz schön weh, auch wenn man es ja eigentlich schon immer wusste. Ich habe Angst, dass sie die Probleme begleiten werden in den Kindergarten und in die Schule. Das sie schlecht Anschluss findet, dass sie ihren Spaß am Lernen verliert.

Und sonst so?

Marthas Wortschatz wächst mittlerweile kontinuierlich und manchmal haut sie einfach so neue Wörter raus, wo ich mir denke, sie hat nur auf den richtigen Moment gewartet. Wie letztens beim Laufrad fahren im Wald, als die Räder voll Matsch waren „Ihhh das ist dreckig, bah Dreck!“ Weder „dreckig“ noch „Dreck“ hat sie vorher verwendet. Oder auch das Nutzen von Adjektiven wie „alt, klein, groß…“ wird immer mehr, also tut sich doch auch bei der Grammatik ein bisschen was. Außerdem kann sie jetzt bin auf „Grün“ alle Farben sagen und hat großen Spaß an Mengen und am Zählen (das gab ein Lob von der Logopädin 😉 ).

Seit über einem Monat ist Martha außerdem trocken. Von heute auf morgen, Tags wie Nachts, ohne irgendwas zu „üben“. Tagsüber gabs in der ersten Woche ein paar Unfälle beim Spielen, Nachts noch nie und auch längere Ausflüge klappen prima.

Außerdem haben wir den Betreuungsvertrag mit einem ganz wundervollen Kindergarten unterschrieben, aber es geht erst im August los. Martha freut sich schon sehr drauf :)

 

Ich werde euch auf jeden Fall weiter auf dem Laufenden halten. Gerade hat mich auch wieder die Bloglust gepackt und es gibt sicher demnächst wieder mehr von mir zu Lesen.

6 thoughts on “Raus mit der Sprache! Teil 5

  1. Ich finde deine Berichte über das Thema immer sehr spannend. Meine Tochter ist einen Monat jünger als Martha und spricht auch ziemlich undeutlich. Ihr Wortschatz ist sehr groß aber das hilft ja nicht, wenn sie keiner außer ich versteht. Im Kindergarten wurden wir darauf angesprochen ob wir sie nicht mal zur Logopädie schicken möchten um zu gucken ob alles ok ist. Als ich das unserem Kinderarzt bei der U7a erzählt habe ist er fast aus der Haut gefahren. Inzwischen wird bei jedem zweiten Kind eine Sprachtherapie gemacht obwohl vieles von selbst kommen würde. Das wäre ja weiter nicht schlimm, aber das Kind merkt schnell, dass etwas nicht stimmt und bezieht das auf sich selber. Fühlt sich „krank“ oder „anders“ und wird als „entwicklungsverzörgert“ betitelt obwohl es halt in einem Gebiet vielleicht einfach noch nicht so weit ist. Unser Kinderarzt unternimmt erst etwas bei der U9. Wenn die Aussprache dann noch zu undeutlich ist hat das Kind ein Jahr bzw. in unserem Fall 1,5 Jahre Zeit an sich zu „arbeiten“.
    Das soll jetzt überhaupt kein Angriff sein, jeder muss und soll tun was für ihn und sein Kind die beste Lösung ist. Für mich war der Besuch bei unserem Kinderarzt einfach noch mal eine Bestätigung, dass jedes Kind seinen eigenen Rhythmus hat und ich da jetzt noch ein bißchen entspannt sein kann 😉

    • Ja aber ihr habt immerhin schon den wortschatz.
      Ich sag ja auch, Logopädie macht eigentlich erst später sinn, aber bei Martha ist es schon über ein Jahr auffällig und es musste jetzt einfach was passieren.

  2. Hallo,
    schön, dass ihr eine gute Hilfe gefunden habt. Und es tut mir echt leid, dass sowas wie Entwicklungsverzögerung im Raum steht. Dass das weh tut, kann ich sehr gut nachvollziehen.
    Ich drücke weiterhin die Daumen, dass es gut weitergeht mit dem Spracherwerb!

    Liebe Grüße,
    Lamasus

  3. Hallo!
    ich bin erst gerade auf deinen Blog gestoßen – und fühlte mich von „raus mit der Sprache“ gleich angesprochen. Ich bin Mutter von 4 Jungs und unser Jüngster war und ist sprachentwicklungsverzögert. Ich möchte dir gerne Mut machen: Du hast ein tolles und einzigartiges Kind, egal ob entwicklungsverzögert oder nicht. Dein Mädchen kann Dinge, die andere nicht können und hat sicher einen ganz besonderen Platz in deinem Herz!
    Wichtig für uns ist, unserem Kind Zeit zu geben und auf uns selber zu hören und uns nicht zu scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Unser Bub geht, seit er 2,5 Jahre alt ist, zur Logopädie und mittlerweile, weil die normale Grundschule nicht passte, auf die Sprachheilschule. Er darf jetzt seinen eigenen Weg gehen und wir lernen immer mehr, ihn nicht mit anderen Kinder zu vergleichen. Er ist dadurch zu einem „Macher“ geworden, der nicht lange nach etwas fragt, sondern die Sache löst – und das auf total grandiose Weise.
    Dir wünsche ich für euer Mädchen alles Liebe, aber auch für euch Eltern, Ihr braucht nämlich soviel Kraft!
    Herzliche Grüße
    Ines

  4. Ich kämpfe seit der U7 für eine Logopädieverordnung für meinen Sohn. Der wird im Juni 3 und spricht keine 20 Wörter. Verben gar nicht. Adjektive auch nicht. Sein passiver Wortschatz ist sehr groß, sein Gehör ist auch tadellos. Seid ihr mal bei einem Pädaudiologen gewesen? Vielleicht hat sie ein ganz minimales Hörproblem. Wir mussten hin, bevor wir die Verordnung bekommen haben. Ich hab alles mögliche probiert mit Üben zuhause, ich lese viel vor, wir reden miteinander, ich lasse ihn Wörter nachsprechen. Hab mir auch Sorgen gemacht, weil er noch nicht in die Kita geht. Aber laut Logopädin spielt das keine Rolle. Es stimmt schon, dass viele unnütz zur Logopädie gehen. Normalerweise bekommt man die Verordnung nicht mal vor dem dritten Geburtstag. Ich glaube aber, wenn man merkt, dass es das Kind frustriert und es auch andere Bereiche beeinflusst, wie das Trockenwerden zum Beispiel, weil das Kind nicht sagt, dass es mal muss, dann ist das schon sinnvoll. Allgemeine Frühförderung findet ich dagegen nur sinnvoll, wenn in mindestens zwei Bereichen Probleme bestehen. Wenn es „nur“ das Sprechen ist, dann ist ne Logopädie schon das beste. Grad wenn sich das auf eine längere Zeit erstrecken wird, ist es gut, bei einer Sache zu bleiben und nicht dann wieder von der Frühförderung zur Logopädie wechseln zu müssen.
    Ich drück euch die Daumen. Und irgendwie ist es schon toll, nicht ganz allein mit dem Problemchen zu sein.

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