Raus mit der Sprache! Teil 6

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Teil 1 (September 14) gibts hier: http://vonrosagrauenwolken.de/blog/2014/09/09/raus-mit-der-sprache/

Teil 2 (März 15) hier: http://vonrosagrauenwolken.de/blog/2015/03/09/raus-mit-der-sprache-teil-2/

Teil 3 (September 15) hier: http://vonrosagrauenwolken.de/blog/2015/09/08/raus-mit-der-sprache-teil-3/

Teil 4 (Januar 2016) hier: http://vonrosagrauenwolken.de/blog/2016/01/10/raus-mit-der-sprache-teil-4/

Teil 5 (März 2016) hier: http://vonrosagrauenwolken.de/blog/2016/03/01/raus-mit-der-sprache-teil-5/

 

Und schon wieder sind 2 Monate seit dem letzten Post vergangen. Mittlerweile war Martha schon 12 Mal bei der Logopädin und die letzten Male gabs auch richtig Lob ;).

Sie ist nun 3 Jahre und 4 Monate alt und ihr Wortschatz wächst stetig. Ich kann echt nicht mehr sagen wie viele Wörter es sind, sicherlich über 200 aber viele noch sehr undeutlich, dafür andere, die lange kaum zu verstehen und zu unterscheiden waren, mittlerweile richtig gut, wie Haus/Maus/Aus/Raus, sehr/mehr.

Auch wenn sich viel tut, es ist immer noch anders. Das ist mir letztens im Zoo mal wieder aufgefallen, als ich ein anderes (viel jüngeres) Kind mit seinem Papa beobachtet habe, das munter alles nachgeplappert hat auch wenn es vermutlich garnicht wusste was es da sagt.

Der Spracherwerb läuft bei uns komplett anders und ich glaube es ist schwer nachzuvollziehen wenn man das nicht von seinem eigenen Kind kennt. Ich wünschte ich wüsste wie das bei Martha genau funktioniert und vor allem warum es anders ist, aber das werde ich wohl nie erfahren und das habe ich akzeptiert.

200 Wörter hören sich zwar viel an, aber jedes Einzelne ist hart erarbeitet und wird nach wie vor gefeiert wie das erste Mal „Mama“.

Wie könnt ihr euch das vorstellen?

Der größte Punkt ist wohl, das Martha noch nie nachgesprochen hat, bis heute nicht, weder dieses drauflosplappern als Kleinkind noch auf Nachfrage „Sag mal Apfel“. Trotzdem saugt sie neue Wörter auf wie ein Schwamm, will alles benannt haben, zeigt Gegenstände auf Nachfrage und erledigt Aufgaben um die wir sie bitten. Aber sie kann oder will die Wörter nicht wieder geben. Ob es eine Charaktersache ist, ein körperliches Problem bei den Mundbewegungen oder das Gehirn noch nicht so weit ist, ich weiß es nicht. Manchmal denke ich sie hat Angst etwas falsch zu sagen und sagt es deshalb garnicht. Selbst ganz leichte Wörter kommen ihr erst nach und nach über die Lippen, manche zufällig beim Spielen, so dass sie selbst ganz überrascht ist. Zum Beispiel „Ball“, das sagt sie tatsächlich erst seit ein paar Wochen und sie hat auch hörbar Probleme bei der Aussprache. Irgendwie bekommt sie das mit dem B und dem L zusammen nicht gut auf die Reihe, bei „Blume“ hat sie auch Probleme, bei „Bobo“ hingegen nicht. „Auto“ sagt sie bis heute nicht, dafür hat sie ein Phantasiewort (das Einzige komischerweise): „Kokohassa“. Andere, eigentlich schwere Wörter wie „Rucksack“ oder „Spagetti“ sagt sie hingegen schon länger und auch recht verständlich. Wenn ihr ein neues Wort rausrutscht muss man es einige Zeit lang richtig oft verwenden in der Interaktion mit ihr, damit sie es weiter benutzt und nicht das Gefühlt bekommt sie braucht es nicht oder wir verstehen sie nicht. Aktuell sind das „Sonne“, „Mond“, „Mann“, „Frau“ und „Blume“.

Die liebste „Fördermaßnahme“ die wir übrigens aus der Logopädie mit nach Hause genommen haben, ist Memory spielen. Martha kann das mittlerweile schon richtig gut nach Regeln und durch die häufige Wiederholung „Das ist ein Mann und das ist ein Baum, passt nicht…..“ bleibt richtig viel hängen. Es ist ja nicht so als würden wir sonst nicht mit ihr reden und lesen, aber beim Memory spielen hat sie scheinbar am meisten Spaß neue Wörter zu lernen. Wenn wir unser Memory mit allen Wörtern durch haben, möchte ich gerne aus einem unserer Bücher eine Seite mit Bildern die Verben darstellen wie küssen, schlafen, essen usw. abscannen und daraus ein Memory basteln, denn das ist jetzt unser großes Ziel: mehr Verben!

Und sonst so?

Marthas absolutes Lieblingsthema: Zahlen und Mengen! Jedes Buch das wir schauen, egal wo wir hingehen, überall wird irgendwas gezählt. 3 Hasis hier, 2 Eis da, 4 rote Autos und 1 weißes….Ich werde sie in 10 Jahren daran erinnern wenn sie meint das Mathe scheiße ist 😉

4 thoughts on “Raus mit der Sprache! Teil 6

  1. Ach Herrje. Ich fühle mit euch und freue mich auch mit euch! Ich kann mich erinnern, einmal gesagt zu haben, ich würde drei Kreuze machen, wenn T. endlich spricht. Zumal Sprache für mich selber einen so enorm hohen Stellenwert hat.

    Mittlerweile quatscht er ohne Punkt und Komma und ich wünsche mir mindestens einmal am Tag, dass er doch bitte mal den Sabbel hält.

    Andere Leute verstehen nicht immer alles, was er sagt. Er hat einen riesigen Wortschatz, der ihm oft nicht zugetraut wird. Da kommen Wörter, die niemand erwartet – und die daher nicht erkannt werden.

    Menschen, die ihn regelmäßig erleben, verstehen viel aber noch lange nicht alles. Und auch wir Eltern stehen manchmal ratlos vor diesem kleinen mitteilsamen Menschen.

    Ich kenne die Fragen im Hinterkopf, was da los ist und ob man irgendwas falsch gemacht hat… Bei uns kommen ja noch einige weitere Bautellen hinzu. Diagnosen lassen auf sich warten und ob es Zusammenhänge zwischen verschiedenen Auffälligkeiten gibt ist weiterhin unklar.

    Das zermürbt…

    Aber ihr seid auf einem guten Weg! Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg und freue mich darauf, die Fortschritte live miterleben zu können

  2. Liebe Svenja,

    Ich lese Deine Einträge zu Marthas Sprachentwicklung total gerne, obwohl mein Sohn erst 9 Monate alt ist und folglich noch gar nicht spricht.

    In meinem Englischstudium/Lehramtsstudium habe ich gelernt, dass Spracherwerb ein automatischer Prozess ist und quasi ohne jegliches Zutun von Erwachsenen erfolgt (abgesehen davon, dass wir mit unseren Kindern sprechen ). Das habe ich nie in Frage gestellt, bis Du anfingst über Marthas Late-Talkerei zu schreiben. Insofern danke ich Dir für die Erweiterung meines Horizontes. :)

    Im Kleinen Fuchs habe ich Martha vor einer Weile Mal „kennengelernt“. Sie war so aufgeweckt und charakterstark, dass sie mich wirklich beeindruckt hat- auch ohne viele Worte! Dennoch : ich verstehe Dein Unbehagen vor dem Hintergrund des Wort-Monsters „entwicklungsverzögert“. Da müsste ich auch schlucken, zumal man im Leben auch wirklich nur mühsam zurechtkommt, wenn man sich nur schlecht verständlich machen kann.

    Wie dem auch sei: Fast nebenbei hast Du erwähnt, dass Martha Zahlen liebt. Direkt hinterher geschoben hast Du die Vermutung, dass sie in 10 Jahren Mathe hassen wird. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Du damit falsch liegst. Ich habe als kleines Kind schon Mathe geliebt und tue es bis heute. Mathephobie ist kein Naturgesetz ;). Vielleicht ist es bei Martha auch so, dass Sprache nicht so ihr Ding ist, dafür aber die Welt der Zahlen. Möglicherweise ist sie in diesem Bereich sogar außergewöhnlich begabt. Das ist ja gar nicht selten so, dass wir Menschen eine Art Inselbegabung für einen bestimmten Themenkomplex haben…

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich finde es gut, dass Du mit Martha zur Logopädin gehst, weil Du das Gefühl hattest, dass Martha zusätzliche Hilfe braucht. Dennoch bist Du (und möglicherweise Martha auch) so ja unweigerlich mit ihrer „schlechten Performance“ befasst. Wäre Martha meine Tochter, würde ich versuchen, zusätzlich zur Unterstützung ihrer Sprachprobleme mittels Logopädie, Martha ressourcenorientiert zu betrachten und zu schauen, was sie wirklich gut kann und was ihr leicht fällt und sie auch darin gezielt fördern (ich meine das nicht im Sinn von irgendeiner elitären Begabtenförderung). Ich denke, dass solche Erfolge ganz wichtig sind, damit sie später ein insgesamt gutes Selbstwertgefühl hat und den Spaß am Lernen nicht verliert. Lernen soll ja Freude machen und nicht immer nur mit Anstrengung verbunden sein.

    Ich freue mich zu lesen, wie es weitergeht.

    Bis dahin alles Liebe aus Dellbrück!

    Lea

  3. Danke dass du eure Erfahrungen hier teilst. Das gibt mir Hoffnung dass auch hier irgendwann mal mehr gesprochen wird 😉

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